Social Media hat ganz neue Arten erfunden, sich zu zerstreiten. Das Foto, das ohne Fragen gepostet wurde. Das Like unter dem Foto vom Ex. Die Story von einer Party, zu der man nicht eingeladen war. Das stille Entfernen aus einem Gruppenchat. Das Entfolgen von einem Tag auf den anderen. Der öffentliche Kommentar, der besser eine private Nachricht geblieben wäre.
Diese Streits werden schnell zum Missverständnis, weil eine kleine Geste im Netz fast nichts aussagt und man ihr trotzdem viel unterstellt. Ein Like kann gedankenlos sein, ein Schweigen einfach Vergesslichkeit. Ohne Tonfall deutet jeder auf seine eigene Weise. Und weil alles sichtbar ist, fühlt man sich schnell vor allen anderen bloßgestellt.
Für ein faires Urteil trenn die Fakten, also was wirklich gepostet oder gelöscht wurde, von der Deutung, also was die eine Person daraus gelesen hat. Lies beide Versionen und denk daran, dass dieselbe Person sie geschrieben hat. Unterscheide dann Inhalt und Art: Eine berechtigte Bemerkung als öffentlicher Kommentar kann mehr verletzen als helfen. Und noch ein Tipp fürs Erzählen: Übernimm weder Nutzernamen noch Kontonamen noch Nachrichten Wort für Wort in deine Geschichte.