In einer Beziehung streitet man selten über die großen Fragen des Lebens. Meistens geht es um den Abwasch, der stehen bleibt, das Handy am Esstisch, die Verspätung beim Abendessen oder die Folge der Serie, die einer heimlich allein weitergeschaut hat. Von außen betrachtet: eine Kleinigkeit. Von innen erlebt: Damit ist der ganze Abend gelaufen.
Solche Streits werden schnell zum Missverständnis, weil es selten um das eigentliche Thema geht. Hinter „Du hast den Müll nicht runtergebracht“ steckt oft „Ich hab das Gefühl, ich mache hier alles allein“. Jeder antwortet auf den Satz des anderen, nicht auf das, was er fühlt. Müdigkeit und Hunger erledigen den Rest.
Für ein faires Urteil lies beide Versionen bis zum Ende und denk daran, dass nur eine Person sie geschrieben hat. Trenn den Inhalt, also wer in der Sache recht hatte, von der Art: Wer ist laut geworden, wer hat zwei Tage geschmollt? Man kann in der Sache recht haben und im Ton danebenliegen. Wenn dir die Geschichte unvollständig vorkommt, wähl „Da fehlen Infos“. Und ein Streit, der Angst macht, ist kein Fall für eine Abstimmung: Bei Gefahr ruf die 110 oder die 112 an. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, auch für Angehörige.